kein Umgang bei ernsthafter Ablehnung durch ein 14-jähriges Kind – OLG Brandenburg, Beschluss v. 22.06.2018, 10 UF 109/15

Titel:

Kein erzwungener Umgang gegen den Willen eines 14-jährigen Kindes

Normenkette:

BGB § 1626a Abs. 2 S. 1, § 1671 Abs. 4, § 1684 Abs. 4 S. 2, § 1686, § 1697a

Redaktionelle Leitsätze:

1. Angesichts der ernsthaft geäußerten Ablehnungshaltung eines knapp 14-jährigen Kindes kann der Fall so liegen, dass ein erzwungener Umgang zu einem größeren Schaden als Nutzen für die Entwicklung des Kindes führen würde. In Ansehung des fortgeschrittenen Alters des Kindes kann es dann konsequent und unter dem Gesichtspunkt der Verhältnismäßigkeit nicht zu beanstanden sein, dass die Gerichte von der Anordnung eines – auch begleiteten – Umgangs absehen. (Rn. 22) (red. LS Axel Burghart)

2. Mit dem Kindschaftsrechtsreformgesetz von 1997 hat der Gesetzgeber kein Regel-Ausnahme-Verhältnis in dem Sinn geschaffen, dass ein Vorrang zu Gunsten der gemeinsamen elterlichen Sorge besteht und die Alleinsorge eines Elternteils nur in Ausnahmefällen als ultima ratio in Betracht kommt. Es besteht auch keine gesetzliche Vermutung dahin, dass die gemeinsame Sorge nach der Trennung der Eltern weiterhin die für das Kind beste Form der Wahrnehmung elterlicher Verantwortung ist. (Rn. 85)(red. LS Axel Burghart)

Rechtsgebiet:

Familienrecht

Schlagworte:

gemeinsame elterlichen Sorge, erzwungener Umgang, Umgangsregelung

vorgehend:

AG BernauBeschluss vom 02.07.2015 – 6 F 350/15

ECLI:

ECLI:DE:OLGBB:2018:0622.10UF109.15.0A